Bilanz 2015: Lehrjahr mit positivem Ende

Mit einem 7:2 im Abstiegsduell gegen die TGS Bieber Offenbach schaffen die TCO Damen den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga Süd / Tolle Heimspielatmosphäre

Bis zum Schluss musste gezittert werden. Erst am letzten Spieltag der 2. Bundesliga-Saison brachten die TCO-Damen mit  einem 7:2 gegen die TGS Bieber Offenbach den Klassenerhalt in trockene Tücher. Dass am Ende kein Verein der in der Saison 2015 nur aus sechs Mannschaften bestehenden Liga absteigen muss,  konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen. Dass es so eng werden würde, hatte im Vorfeld der Saison niemand erwartet. Zu souverän waren die Lorscher Damen im Vorjahr durch die Regionalliga marschiert. Doch im erweiterten Oberhaus des deutschen Tennissports weht ein anderer Wind. Obwohl das TCO-Team an den meisten Spieltagen auf Augenhöhe agierte, fehlte häufig das letzte Quäntchen, um am Ende auch die Punkte mitzunehmen.

 „Hier herrscht schon ein anderes spielerisches Niveau als in der Regionalliga“, musste TCO-Teamchef Alex Rauch bereits nach dem ersten Spieltag eingestehen. Beim Mitaufsteiger TC WB Würzburg hatten die Lorscherinnen zum Auftakt  eine  2:7-Niederlage kassiert. Im Nieselregen hatten Ema Mikulcic an Punkt 2 (6:3, 6:4 gegen Ellen Allgurin) sowie das dritte Doppel mit Zuzana Zlochova und Felicitas Kastner   (3:6, 6:4, 10:5 gegen Giulietta Boha/Sofia Raevskaia) zumindest zwei Punkte für Lorsch geholt.

Über 300 Zuschauer zum Auftakt

Gegen GW Luitpoldpark München erlebte das TCO-Team  einen  eigentlich optimal verlaufenden Heimspiel-Saisonauftakt _  nur das Ergebnis stimmte am Ende wieder nicht.  Strahlend blauer Himmel spannte sich am Vormittag über die TCO-Tennisanlage Im Ehlried, über 300 Tennisfans sorgten mit lautstarker Anfeuerung teilweise für Fedcup-Atmosphäre. Trotz einer nochmals verstärkten TCO-Mannschaft entführten  die Gäste  von GW Luitpoldpark München mit 6:3 die Punkte aus der Klosterstadt.
Dabei hatten die TCO-Spielerinnen losgelegt wie die Feuerwehr. Vorsitzender Harald Maiberger und Teamchef Alex Rauch hatten zusätzlich die Rumänin Raluca Olaru nominiert. Die Nummer 57 der Doppel-Weltrangliste war nach ihrem Turnierausscheiden in Roland Garros nonstop nach Lorsch gereist. Trainerin und Eigengewächs Lisa Brinkmann war daher an Punkt 6 nach hinten gerutscht. Mit soliden Grundschlägen wies sie Alissia Gleixner mit 6:1, 6:2 deutlich in ihre Schranken. Trotz des deutlichen  Sieges merkte man ihr die Erleichterung an. "Ich war schon etwas nervös", gestand Lisa Brinkmann ein. Immerhin war es ihr erstes Heimspiel nach einer einjährigen Verletzungspause.
Gleichzeitig holte sich Raluca Olaru den ersten Satz im Schnelldurchlauf mit 6:0. Die für Lorsch spielende Kroatin Ema Mikulcic sicherte sich den ersten Durchgang mit 6:2.  Doch als ob die Lorscher Überlegenheit von  der gewaltigen   Windhose, die zum Erstaunen von Spielerinnen und Zuschauern plötzlich über den Platz 1 wirbelte, weggeweht worden wäre, wurden die Begegnungen immer enger. Olaru zitterte ihr Match nach zahlreichen einfachen Fehlern zwar noch mit 7:5 im zweiten Satz nach Hause. Mikulcic verlor jedoch völlig den Faden und unterlag gegen Daniela Kix nach einem 1:6 im zweiten im als Matchtiebreak gespielten dritten Satz. Nachdem sie bereits im Laufe des Matches Probleme mit dem ersten Aufschlag gehabt hatte, beendete sie die Begegnung passenderweise mit einem Doppelfehler.
Mit dem 2:1-Zwischenstand war Teamchef Alex Rauch dennoch zufrieden. Die Verantwortlichen beim TCO hofften mindestens auf ein 3:3 nach den Einzeln. Doch das Drama ging weiter. Zuzana Zlochova und Dominice Ripoll unterlagen jeweils in zwei hart umkämpften Sätzen. Im Spitzeneinzel kämpfte sich Diana Marcinkevica nach verlorenem ersten Satz und Rückstand im zweiten Durchgang wieder heran, holte den Satz mit sehenswerten Gewinnschlägen noch im Tiebreak, um dann nach diesem Kraftakt doch noch im Matchtiebreak zu verlieren.

Und auch in den Doppeln wurden die Lorscher Damen mit der Matchtiebreak-Regel nicht einig. Diana Marcinkevica und Dominice Ripoll hatten sich nach verlorenem ersten Satz gegen das quirlige Müncher Duo Grabher/Gleixner in den dritten Satz gekämpft. Doch in dem langen Tiebreak gerieten sie durch einige leichte Fehler schnell ins Hintertreffen. Der Matchball zum 6:10 entschied den Spieltag für München. 

Knappe Niederlage in Ludwishafen

Auch beim  hochfavorisierten TC BASF Ludwigshafen schrammten die  Lorscherinnen hauchdünn an ihrem ersten Saisonsieg in der 2. Bundesliga vorbei. Mit 4:5 unterlag die Mannschaft in der Chemiestadt. Die Gastgeber waren ohne ihre Nummer 1, Anna-Lena Friedsam, angetreten. Dennoch reichte die Klasse der Spielerinnen aus, um gegen die Lorscherinnen mit 4:2 nach den Einzeln in Führung zu gehen. Für den TCO holte Zuzana Zlochova  an Punkt 2 ihren ersten Einzelsieg. Raluca Olaru bewies bei der Abwehr von drei Matchbällen Nervenstärke. Die Rumänin ließ sich selbst durch einen schweren Fauxpas nicht aus dem Konzept bringen. Bei eigenem Matchball schätzte sie am Netz stehend einen Passierschlag ihrer Gegnerin falsch ein, ließ den Ball absichtlich vorbeisegeln, der daraufhin fünf Zentimeter vor der Linie im Feld aufschlug. Dennoch gewann sie kurz darauf  den als Matchtiebreak gespielten dritten Satz mit 12:10.

Trotz des Rückstands  bekamen die Lorscherinnen in den Doppeln noch einmal die realistische Chance, die Begegnung mit drei Siegen doch noch zu gewinnen. Diana Marcinkevica und Dominice Ripoll  gewannen im Eiltempo den ersten Satz mit 6:1.  Gegnerin Vanessa Pinto gab daraufhin wegen einer Verletzung auf.

Raluca Olaru und Lisa Brinkmann lieferten sich mit der Französin Gaelle Desperrier und Madelina Bosnjak ein hochklassiges und zu Beginn überaus umkämpftes Match. Eine kurze Konzentrationsschwäche beim Aufschlag von Lisa Brinkmann brachte das erste Break für Ludwigshafen und kostete das Lorscher Duo den ersten Satz. Im Anschluss dominierte die TCO-Paarung allerdings mit 6:0 und 10:5 die Partie. Und auch Zuzana Zlochova und eine stark aufspielende Felicitas Kastner waren zunächst auf der Siegesstraße, führten im ersten Satz 2:0 und 5:4. Am Ende besiegelten wenige Punkte die 6:7, 4:6-Niederlage und den Gesamtsieg der Gastgeberinnen.

Meisterschaft Im Ehlried besiegelt

Gegen Waldau Stuttgart war das Lorscher Team dann allerdings chancenlos. Das Team aus Schwaben machte im Lorscher Ehlried die Meisterschaft 2015 mit einem 9:0-Sieg perfekt. Dass man auf Platz 1 der Tennisanlage Im Ehlried bestens feiern kann, wusste Anna Zaja bereits. 2013 ließ sie hier als Spitzenspielerin des TCO nach der Meisterschaft in der Hessenliga und dem gewonnenen Relegationsspiel zum Aufstieg in die Regionalliga die Sektkorken knallen. Diesmal jubelte sie mit ihrem neuen Verein Waldau Stuttgart. TCO-Vorsitzender Harald Maiberger gratulierte zum Aufstieg in die 1. Bundesliga.

Trotz der deutlichen Niederlage der TCO-Spielerinnen wurde den rund 200 Tennisfans,  darunter der damals noch amtierende Landrat Matthias Wilkes, Landtagsabgeordneter Alexander Bauer und Lorschs Bürgermeister Christian Schönung und Alt-Bürgermeister Klaus Jäger, sehenswertes Tennis geboten. Gleich zum Auftakt legte die an Punkt 2 vorgerückte Dominice Ripoll ein Feuerwerk hin. Gegen Annas Zaja führte sie schnell mit 3:0. Zaja steigerte sich jedoch und schnappte sich den ersten Satz dennoch im Tiebreak. Durchgang Nummer zwei des  hochklassigen Matches ging dann  mit 6:3 an die Neu-Stuttgarterin.

Es sollte nicht die einzige Niederlage für die Gastgeber bleiben. Dass sich die Favoritinnen aus Stuttgart beim Liganeuling auf der Schlussgeraden zur Meisterschaft noch ein Bein stellen lassen könnten _ davon waren die Verantwortlichen beim TCO Lorsch im Vorfeld der Begegnung ohnehin nicht ausgegangen. Entsprechend schonten Vorsitzender Harald Maiberger und Teamchef Alex Rauch Kräfte und Budget bei der Mannschaftsaufstellung. Außer der Punkt-1-Spielerin Diana Marcinkevica verzichteten die Lorscher auf weitere Verstärkung aus dem Ausland. Stattdessen erhielten die Eigengewächse und Spielerinnen aus der Region die Chance, sich auf heimischer Anlage zu präsentieren. Die an Punkt 3 nach vorne gerückte Lisa Brinkmann unterlag ebenso in zwei Sätzen wie Felicitas Kastner, Barbara Helfrich und Celina Kortüm. Und auch Diana Marcinkevica hatte  im Spitzeneinzel gegen Toptalent und Deutsche Meisterin Antonia Lottner keine Chance.  

Souveräner Sieg im Abstiegsduell

Im Alles-oder-Nichts-Kellerduell  am letzten Spieltag  boten die Gäste der TGS Bieber Offenbach erstmals ihre nominelle Nummer 1, die Georgierin  Sofia Shapatava, auf.  TCO-Vorsitzender Harald Maiberger und Teamchef Alex Rauch waren auf den Endspurt der Offenbacherinnen jedoch eingerichtet. Mit der Italienierin Giulia Sussarello hatte man sich rechtzeitig um einen Ersatz für die in Australien weilende Nummer 3 Zuzana Zlochova gekümmert. Die bereits vor zwei Jahren bei der Meisterschaft in der Hessenliga aufgebotene Sussarello rechtfertigte ihren Einsatz mit einem hart erkämpften Sieg im Matchtiebreak. 6:3, 3:6, 10:7 hieß es am Ende für die Italienerin nach einem zähen, von vielen taktischen Finessen geprägten Match. Dominice Ripoll und Lisa Brinkmann hatten gegen die Schwestern Michelle und Grace Janis keine Probleme, das TCO-Team mit deutlichen Zweisatzsiegen in Führung zu bringen. Auch Ema Mikulcic lieferte beim 6:2, 6:2 eine über weite Strecken hochkonzentrierte und souveräne Leistung ab. Besonders freute es die TCO-Tennisfans und -Verantwortlichen, dass die Lorscher Nummer 1, Diana Marcinkevica, erstmals ihr wahres Potenzial abrufen konnte. Mit druckvollen Gewinnschlägen siegte sie gegen den Offenbacher Joker Shapatava mit 6:4, 2:6, 10:8. Ausgerechnet ein Matchgewinn im Champions-Tiebreak brachte den entscheidenden fünften Punkt, der den Klassenerhalt vorzeitig besiegelte. Im Laufe der Saison hatten die TCO-Spielerinnen häufig Pech gehabt bei den in der 2. Bundesliga anstelle eines dritten Satzes gespielten Entscheidungs-Tiebreaks. Raluca Olaru erhöhte mit 7:6, 6:2 gegen die Hessenmeisterin 2014, Natalia Siedliska, auf ein perfektes 6:0 nach den Einzeln.

Harald Maiberger konnte, nachdem der Sieg feststand, erstmals entspannt die folgenden Doppel verfolgen. Dem TCO-Vorsitzenden ist dennoch bewusst, dass man den Klassenerhalt im ersten Jahr in der 2. Bundesliga  nur unter glücklichen Voraussetzungen geschafft hat. Durch den kurzzeitigen Rückzug der Mannschaft des TC Amberg am Schanzl konnte es  maximal einen Absteiger geben _ am Ende war es sogar keiner. Mit der TGS Bieber Offenbach war zudem ein durchaus schlagbarer Konkurrent um den Klassenerhalt verblieben. "Das wird 2016 sicherlich nicht mehr so laufen", sagte Maiberger. Das Debüt in der 2. Bundesliga müsse man als Lehrjahr ansehen. "Hier wird doch eine ganz andere Qualität gespielt als in der Hessen- oder Regionalliga", nahm der TCO-Vorsitzende als Erkenntnis mit.