Bilanz 2013: TCO-Damen in der Regionalliga

Mit einem sensationellen 6:3-Erfolg gegen den favorisierten TC Radolfzell steigen die Hessenmeisterinnen des TCO Lorsch in die Regionalliga auf.

Die Damen des TCO Lorsch haben den Aufstieg in die Regionalliga Südwest perfekt gemacht und damit das kaum  erhoffte Tenniswunder Wirklichkeit werden lassen. Mit 6:3 besiegten die Lorscher Spielerinnen am Samstag auf heimischer Anlage die hoch favorisierten Gäste vom TC Radolfzell. Es war das Duell zwischen dem frisch gebackenen Hessenmeister und dem badischen Meister. Nur für den Sieger der Relegation öffnen sich die Tore zur dritthöchsten deutschen Tennisliga. Im als Championstiebreak gespielten dritten Satz des wohl entscheidenden dritten Doppels stieß es Tatum Prudhomme für den TCO endgültig auf. Die erst 16-jährige US-Amerikanerin mit Lorscher Wurzeln, verwandelte den Matchball zum 10:7.

In Lorsch hatte man sich im Vorfeld keine großen Hoffnungen gemacht. Zu übermächtig schien die Mannschaft des Deutschen Meisters 2010 und 2011. Der Verein aus der Bodenseeregion hatte sich nach den Titelgewinnen in der Bundesliga im vergangenen Jahr in die Badenliga zurückstufen lassen. „Probleme in der Harmonie zwischen der damaligen Vereinsführung und dem Förderverein“, waren nach Angaben des  Sportwarts und Trainers Norman Bingeser die Gründe für den unerwarteten Rückzug. Mit gleichem Hauptsponsor und  einer neuen Vereinsführung  wollten die Badener jetzt wieder nach oben. Angereist war das Team aus Radolfzell deshalb mit der fast stärksten  Mannschaft: an der Spitzenposition French-Open-Teilnehmerin Zuzana Kucova, an Punkt zwei die Zehnte der deutschen Rangliste Kathrin Wörle-Scheller.

Verstecken musste sich jedoch auch das Hessenmeisterteam vom TCO nicht. Mit Giulia Sussarello hatte man wie bereits bei den wichtigen Partien gegen Bad Homburg und Hochheim noch einmal aufgerüstet. Und das zahlte sich gleich aus. Die quirlige Italienerin legte im Match gegen Kathrin Wörle-Scheller los wie die Feuerwehr. Mit ihren flachen Schüssen von der Grundlinie jagte sie  die ehemalige Fedcup-Spielerin und Grand-Slam-Teilnehmerin von einer Ecke in die andere. Die 31-Jährige aus Radolfzell, die im April geheiratet hat, hatte dem schnellen Spiel wenig entgegenzusetzen und suchte ihr Heil in Netzangriffen. Bei den häufig überhastet wirkenden Attacken wurde sie jedoch ein ums andere Mal passiert. Mit 6:1, 6:2 holte sich Sussarallo das Match. Die Lorscher Tennisfans wollten kaum ihren Augen trauen. Denn auch auf den anderen beiden Plätzen führten die  TCO-Spielerinnen haushoch. Magdalena Kiszczynska  ließ Anastasia Wagner beim 6:1, 6:3 mit butterweichen Stops ein ums andere Mal ins Leere laufen. Tatum Prudhomme beherrschte mit ihrem variantenreichen Spiel Katharinna Vogg beim 6:1, 6:1 nach Belieben. Der 3:0-Zwischenstand nach der ersten Einzelrunde machte Hoffnung. Doch dann schossen die Gäste zurück.

Lisa Brinkmann (4:6, 2:6 gegen Lenka Tvaroskova)und Lana Macukat (2:6, 3:6 gegen Biljana Pavlova) lieferten zwar ein Match auf Augenhöhe, mussten sich letztlich dennoch geschlagen geben. Auf Platz 1 zeigte Anna Zaja derweil, dass sie das Zeug dazu hat, auch bei den ganz großen Turnieren mitzuspielen. Mit 6:4 holte sie sich den ersten Satz gegen die Slowakin Zuzana Kucova, die noch im Mai bei den French Open in zwei Sätzen  Julia Görges aus dem Turnier   geworfen hatte. Entscheidend für den Satzgewinn im Duell der aufschlagstarken Spitzenspielerinnen war das Break zum 3:2 nach mehrmaligem Einstand und Spielball. Im zweiten Satz legte Vollprofi Kucova jedoch eine Schippe drauf, machte selbst bei Höchstgeschwindigkeits-Ballwechseln kaum noch einen Fehler. Schnell stand es 5:0. „Ich war da ein wenig müde“, analysierte Anna Zaja, die neben Hessenliga und Aufstiegsspiel in den vergangenen Wochen für ihre bevorstehende Abiturprüfungen lernen musste. Mit Teamchef Alex Rauch ging sie vor dem Spieltag noch einmal Matheregeln zur Differenzialrechnung durch. Beim als Champions-Tiebreak gespielten dritten Satz musste sie schließlich ein  4:10 gegen sich addieren.

Bei der Doppelaufstellung suchten beide Teams die gleiche Taktik und machten insbesondere das erste und das dritte Doppel stark. Anna Zaja und Lisa Brinkmann konnten dabei an Punkt 1 gegen ihre Einzelgegnerinnen Kucova/Tvaroskova gut mithalten, hatten im Tiebreak des ersten Satzes sogar Satzball, in dessen Verlauf die Gegnerinnen einen Ball mit einem Aufsetzer auf der Netzkante ins Feld zitterten. Ein halber Zentimeter tiefer und der erste Durchgang wäre an das  Lorscher Duo gegangen. „Jetzt läuft doch alles wieder seinen gewohnten Gang“, haderte TCO-Vorsitzender Harald Maiberger. Doch auf Platz zwei fuhren  Sussarello/Macukat gegen Wörle/Vogg den ersten Doppelpunkt ein. Und auch auf Platz drei sah es zunächst gut aus. Kiszczynska/Prudhomme gewannen den ersten Satz, gerieten jedoch beim 2:6 in Durchgang zwei mehr und mehr ins Hintertreffen. Letztendlich war es Tatum Prudhomme, die mit unglaublicher Willenskraft den Championstiebreak und den Gesamtsieg für Lorsch entschied. „Gooo!!!“, feuerte sie sich nach jedem gewonnenen Punkt lautstark an, verwirrte die Gegnerinnen mit Kombinationen aus Lobs, tiefen Slicebällen und vereinzelten Schüssen. Ihre Teamkolleginnen und die TCO-Verantwortlichen hielt es da schon lange nicht mehr auf den Sitzen. Arm in Arm und vor Aufregung zitternd verfolgten Giulia Sussarello, Lana Macukat, Isabell Klingert und Barbara Helfrich an der Seite von Harald Maiberger das Geschehen, bevor der verwandelte Matchball die Erlösung brachte. Auch auf Platz eins, wo es im zweiten Durchgang mittlerweile 0:3 gegen den TCO stand, warfen Anna Zaja und Lisa Brinkmann jubelnd die Schläger in die Höhe.  Ihre Gegnerinnen sahen keinen Sinn mehr, das bedeutungslos gewordene Match noch zu beenden und gaben auf.